Wie weit würdest du gehen, um jemanden zu retten, den du liebst?
How far will you go to save someone you love?

Entwickler: Quantic Dream
Pusblisher: Sony
Erscheinungsdatum: 24.02.2010
Genre: Interactive Drama
Sprache(n): de/en
USK: 16
Website: Heavy Rain
Wie bereits erwähnt habe ich Heavy Rain vor einigen Tagen (und vor dem großen Sturm Xynthia) erstanden. Nachdem ich dieses Mitbringsel aus Trier dann auch nach dem großen Schaltjahr 2010-Schock der PlayStation 3 endlich ausprobieren durfte war ich doch sehr angetan. Vorweg: ich versuche natürlich halbwegs spoilerfrei durch diese Zeilen zu kommen, aber das wird nicht so einfach.

Installation

Spiel aus der Hülle, ab in die PlayStation. Wie bei einigen anderen Spielen auch, ist es notwendig Daten auf die Platte zu installieren. Ich wollte mir schon einen Kaffee holen (diese Installationen dauern dann doch immer ein paar Minuten), aber da erwartete mich die erste große Überraschung: während der Installation erscheint auf dem Bildschirm eine Anleitung für das Falten einer Origami-Figur. Das Papier für den Schwan (jener, der auch auf dem EU-Cover abgebildet ist) liegt in der Hülle bei. In zwölf Schritten (man kann auch wieder zurückspringen) wird der Spieler so bei Laune gehalten. Die Figur ist fertig und steht jetzt im Schrank – vermutlich habe ich wesentlich länger benötigt, als die Installation lief.

Spielen & Steuern

Das Spiel startet in einer heilen Welt. Es ist Sommer und unser Spiel-Charakter Ethan Mars hat die Möglichkeit genutzt, etwas länger zu schlafen. Die Anfangsszenen vermitteln dem Spieler die Steuerung des Spiels: es ist vollkommen anders und fühlt sich “realer” an. Zu hastige Bewegungen bewirken unter Umständen das Verschütten von Flüssigkeiten. Ich wandle mit Ethan ein wenig durch das Haus und benutze die Toilette. Dann gehts ab unter die Dusche, anschließend Zähne putzen, anziehen und etwas arbeiten. Als Frau und Kinder nach Hause kommen wird der Tisch gedeckt und mit den Kindern im Garten gespielt.
Die Steuerung hatte ich mir dabei anfangs etwas schwieriger vorgestellt. Einmal das Konzept verstanden, wirkt die Steuerung durchdacht. Im Laufe des Spiels gibt es keine Stellen, für die man Gamepad-Akrobat sein muss. Es geht alles locker aus der Hand. Das liegt aber auch daran, dass sich dieses Spiel eher an Erwachsene richtet, und nicht an den Hardcore-Shooter-Zocker.

Geschichte

Zuviel von der Geschichte kann ich natürlich nicht viel verraten. Sie ist und bleibt aber durchweg spannend – und kann viele verschiedene Verläufe nehmen. Diese bestimmen dann das Ende. Es geht nicht vordergründig um den Origami-Killer, sondern um sein letztes Opfer. Welcher der Charaktere wirklich aktiv hilft, bestimmt der Spieler durch das Verhalten. Nur für Ethan gelten etwas andere Regeln, die der Origami-Killer diktiert: so gibt es fünf Prüfungen, die bestanden werden müssen (oder sollten). Aber selbst das Verhauen dieser Prüfungen stellt kein Problem dar, denn auch andere Charaktere können das Ziel finden.
Anfangs habe ich überlegt, warum David Cage (Entwicklungsleiter) das Spiel immer und immer wieder als “Spiel für Erwachsene” betitelt hat. Nun verstehe ich es. Man muss und wird die Geschichte auf sich wirken lassen, sich in die Charaktere und deren Handlungen versetzen. Dadurch kommt sehr viel Mitgefühl, welches die schon angesprochenen Hardcore-Shooter-Zocker eher (noch) nicht haben.

Charaktere

Die Charaktere sind in dieser fantastischen und fesselnden Geschichte natürlich das Salz in der Suppe. Ich für meinen Teil habe bisher Gesichter noch nie realistischer gesehen als hier und ihre Eigenschaften machen sie zu liebenswürdigen oder verabscheubaren Menschen. Im Spiel wechselt man von Szene zu Szene den Charakter. An dieser Stelle eine kurze Beschreibung der vier Hauptcharaktere.

Ethan Mars ist Architekt, verheiratet und Vater von zwei Söhnen: Jason (6 Jahre) und Shaun (8 Jahre). Nach dem Prolog sind zwei Jahre vergangen, Ethan lebt getrennt von seiner Frau, die das Sorgerecht für Shaun (mittlerweile 10 Jahre) hat.
Ethan Mars wird von Pascal Langdale gespielt und gesprochen.

Madison Paige ist eine allein lebende Journalistin. Ihr erster Auftritt zeichnet das Bild einer unter chronischer Schlaflosigkeit und Übermüdung leidenden Person mit Wahnvorstellungen. Sie checkt vorübergehend im Motel ein, in welches auch Ethan geflohen ist.
Vorbild für die Modellierung von Madison Paige ist Jacqui Ainsley (gesprochen im Englischen von Judi Beecher).

Der noch sehr junge und unerfahrene FBI-Profiler Norman Jayden wurde der Polizei von Lexington zur Seite gestellt, um die Untersuchung im Fall des Origami-Killers zu unterstützen. Mit der technischen Hilfe des ARI-Systems (Added Reality Interface), bestehend aus Brille und Handschuh, findet er Spuren an Tatorten und kann diese analysieren.
Norman Jayden wird von Leon Ockenden gespielt und gesprochen.

Auf eigene Faust ermittelt Privatdetektiv Scott Shelby, ein ehemaliger Polizist. Seine Ermittlungen führen zu den Familien der Opfer des Origami-Killers.
Scott Shelby wird von Sam Douglas gespielt und gesprochen.



Erwähnenswertes

Vor allem das ARI-System von FBI-Profiler Norman Jayden gefiel mir auf Anhieb. Eine technische Verspieltheit: mit Brille und Handschuh ausgerüstet kann wählt man seinen Arbeitsplatz (zum Beispiel unter Wasser oder auf einem Berg). Anschließend kann man die virtuellen Akten einsehen, die Spuren prüfen und sich die geografische Lage von Hinweisen ansehen. Absolut genial! Ein kleines Video zeigt, was das ARI so kann.

Fazit

Ein Spiel, das mich trotz vieler anfänglicher Zweifel in den Bann gezogen hat. Hier stand klar eine Geschichte im Vordergrund, die erzählt werden sollte. Man wirkt mit und bestimmt den Verlauf. Das macht einfach nur wahnsinnig viel Spaß. Zu keinem Zeitpunkt kommt Langeweile auf, es gibt keine Situation in der man lange überlegen muss. Man handelt und es passiert etwas. Genial. Ein Erlebnis, dieses “etwas andere” Spiel zu spielen! Vergleichbare Titel? Mir fällt nichts ein.


Bewertung ★★★★★